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Auf Napoleons Spuren 12 km

Westlich von Jena erstrecken sich die Schlachtfelder der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt 1806, die zwischen den Truppen Napoleons und Preußens und seiner Verbündeten (Sachsen u.a.), in der die Preußen eine vernichtende Niederlage hinnehmen mussten. Die an den Jenaer Stadtwald angrenzenden Teile des Schlachtfeldes um den Napoleonstein, von dem aus Napoleon die Schlacht geleitet haben soll, haben den Kriegscharakter bis vor wenigen Jahren bewahrt, waren sie doch sowohl im Dritten Reich als auch in der DDR Truppenübungsplätze, auf denen Panzer rollten. Zu DDR-Zeiten wurde das Gebiet zwischen dem Jenaer Stadtwald, Cospeda und Closewitz von den Russen missbraucht. Das zeigen heute noch immer vorhandene Altlasten wie Schrottreste, Reste von Bauwerken und tiefe Panzerspuren. In der Zwischenzeit ist das Gebiet zum Naturschutzgebiet erklärt worden. In den von Panzern ausgefahrenen Kuhlen haben sich Biotope gebildet. Der zu beschreibende Rundkurs von ca. 12 km führt in wesentlichen Teilen um dieses geschichtsträchtige Gebiet herum und berührt auch viele Punkte, die uns Einblicke in die einmalige Pflanzenwelt der Jenaer Umgebung bieten.

Der reizvollste Einstieg für den Ortsunkundigen bietet sich in Cospeda an der Gaststätte "Grüner Baum zur Nachtigall". Hier befindet sich auch ein Museum zur Schlacht von Jena und Auerstedt. Cospeda ist vom Mühltal aus mit dem Auto zu erreichen, die Auffahrt durch das Rosental ist von der durch das Mühltal führenden B7 ausgeschildert. Von Jena aus verkehren regelmäßig Busse, da Cospeda zu Jena eingemeindet worden ist und ein großes Neubaugebiet hat, das nach der Wende entstanden ist.

Vom "Grünen Baum zur Nachtigall" aus läuft man zunächst ca. 800 m auf einer schmalen asphaltierten Straße bergab, um dann links auf einen berganführenden blau markierten Wanderweg einzubiegen, der auch mit einer gelben Sonne gekennzeichnet ist. Er führt zu den Jenaer "Sonnenbergen". Durch Mischwald, er ist auf vielen Teilen der Strecke durch schöne Schwarzkiefern gekennzeichnet, erreicht man nach ca. 700 m wieder das Plateau und hat von hier einen wunderschönen Blick auf die Stadt. Gegenüber liegt der Jenaer "Forst", aus dem der "Bismarkturm" herausragt. Man schaut über das Villengebiet des Westviertels in das Stadtzentrum bis zum Fuchsturm aber auch in das südliche Saaletal nach Lobeda und auf das Massiv der Kernberge. Man erkennt im Süden die sich über dem Tal erhebende Leuchtenburg, die Königin des Saaletales. Den nördlichen Teil Jenas werden wir an späteren Punkten anschauen können. An den Hängen, die hier ziemlich steil in das Westviertel heruntergehen, wurde bis zur Jahrhundertwende Wein angebaut. Hin und wieder findet man heute noch einen verwilderten Weinstock.

Die Laufstrecke führt nun ohne nennenswerte Steigungen an der Kante der "Sonnenberge" auf einem Teil des "Napoleonischen Truppenweges" entlang bis zum Landgrafen. Napoleon hatte die Preußen überrascht, indem er über den Berghang von der Stadt aus die Truppen mit ihren Geschützen auf den Berg gebracht hatte. Eine Tafel am Weg erinnert daran. Ein Gedenkstein erinnert an den Stadtbaumeister Uhlitzsch, der dieses Gebiet im 19. Jahrhundert aufforsten ließ.

Auf dem grün markierten Wanderweg erreichen wir bei km 3 das Landgrafengebiet. Dort ist eine beliebten Ausflugsgaststätte. Kurz vor dem Landgrafen kreuzen wir eine nicht befestigte Straße, die früher von Jena nach Closewitz führte, aber den Panzern auf dem Übungsplatz zum Opfer gefallen ist. Von hier aus haben wir einen Blick zum Napoleonstein. Wir lassen den Landgrafen rechts liegen und laufen auf dem Weg dem gegenüberliegenden Wald entgegen. Bevor wir in diesen hinein laufen, schauen wir rechts in das Tal und haben einen Blick auf Jena und auf den "Fuchsturm" auf der anderen Seite des Saaletales. Durch den Wald leiten uns nun eine rote und grüne Markierung. Wir halten uns an die rote Markierung und laufen überwiegend durch Mischwald mit sehr vielseitigem Unterholz. Unter anderem wächst hier der geschützte Seidelbast.
Wenn sich linker Hand der Wald öffnet, haben wir immer einen Blick auf den Übungsplatz. Etwa bei km 5.5 öffnet sich der Blick auf Jena, vor allem auf das Nordviertel und den "Jenzig". Hier finden wir im März und April Kuhschellen direkt am Weg und wenn wir einmal die Strecke ein paar Meter verlassen, können wir uns an einer sagenhaften Vielfalt dieser schönen Pflanze erfreuen. Nimmt man sich etwas Zeit oder man kennt die Plätze an seiner Standardlaufstrecke, so findet man im Mai und Juni verschiedene Orchideenarten wie Knabenkräuter, Fliegenorchidee, Rotes Waldvögelein, Rote Waldhyazinthe u.a. Bei km 6 halten wir uns links und folgen nicht dem bergab markierten Weg. Erst bei km 7.5 geht es relativ steil bergab in das Rautal. Dort überqueren wir die Straße und laufen auf der gegenüberliegenden Seite längs einer Lichtung wieder in den Wald. Von der Straße aus haben wir einen Blick auf den Ortsteil Löbstedt, den Jenzig, die Kunitzburg und das Hufeisen. Der folgende Weg ist rot und zusätzlich mit einem gelben Punkt markiert, zweigt nach 200 m rechts ab und geht noch einmal etwas bergab. Wir überqueren einen Bach und verlassen auf der gegenüberliegenden Seite die rote Markierung und folgen bergan der gelben Markierung.
Rechts vor uns liegt nach 300 m in einer Senke der sogenannte "Burschenplatz", eine Stelle wo sich früher die Burschenschaften trafen, ein Brauch der bis heute von unterschiedlichsten Gruppen gepflegt wird. Der bergan führende Weg wird zur entsprechenden Jahreszeit von zahlreichen Frühblühern gesäumt. Hier finden wir neben Anemonen, Maiglöckchen und Waldschlüsselblumen aber auch den Türkenbund und verschiedenen Orchideen. Das eigentliche Naturwunder aber erreichen wir etwa bei km 9.5. Im Februar/März blühen hier auf einer Fläche von mehr als einem Hektar die Winterlinge. Das bei Closewitz gelegene Vorkommen ist einmalig in Mitteleuropa. Während der Blütezeit kommen Besucher aus ganz Deutschland und selbst aus dem Ausland hierher.

Unmittelbar nach diesem durch eine Tafel gekennzeichneten Naturschutzgebiet verlassen wir den Wald, und vor uns liegt das ebenfalls zu Jena gehörende Closewitz. Wir laufen in Closewitz auf der Ortsstraße bis an das Ortsende und dort die ausgeschilderte Straße entlang dem Truppenübungsplatz nach Cospeda. Nachdem wir auf diese Straße gekommen sind, liegt linkerhand ein Wäldchen mit einem Naturkundelehrpfad und einem Parkplatz, auf dem eine Tafel zur Schlacht von 1806 aufgestellt ist. Auf der anderen Straßenseite erkennen wir einen Gedenkstein an die Schlacht. Diese Steine sind an markanten Truppenpositionen aufgestellt worden und enthalten Angaben zur Truppenstärke, Ausrüstung und dem befehlenden Kommandeur. In diesem Gebiet wird alle fünf Jahre zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt von Traditionsvereinen aus ganz Europa die Schlacht von 1806 nachgestellt.

Während wir nun auf der schmalen Straße zurück nach Cospeda laufen, erkennen wir links auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz die Biotope, rechter Hand sehen wir Lützeroda und vor uns das den alten Ort Cospeda überragende Neubaugebiet. Nach etwa 12 km erreichen wir wieder unsere Ausgangsposition.

Ein günstiger Einstiegspunkt, vor allem für Nichtmotorisierte, ist die Gaststätte Papiermühle, die Haltestelle der Buslinie 16 ist. Wir laufen rechts an der Papiermühle vorbei den Cospedaer Grund ca. 700 m bergan, bis wir die genannte Abzweigung rechter Hand mit der blauen Markierung und der gelben Sonne erreichen. Dann sind wir auf der Strecke.


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